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Schummelbrötchen bei Aldi Süd? Bäckerverband verklagt Discounter wegen angeblicher Irreführung

19. Juli 2010

Dieser Artikel wurde verfasst vom Bündnis gegen Lebensmittelplagiate e.V.

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. ist bisher nicht eben als notorischer Abmahnverein in Erscheinung getreten. Nun aber scheint es den Bäckern gereicht zu haben und sie griffen zur Wettbewerbsrechtlichen Keule: Wie Spiegel Online berichtet hat der Lobbyverband des Bäckergewerbes Aldi Süd nun vor Gericht gezogen.

Die Vorwürfe gegen Aldi Süd

Vor dem Landgericht Duisburg sollen die Kontrahenten nun aufeinander treffen. Der Bäckerverband meint:

  1. Es sei irreführend, wenn Aldi Süd von einem „Backen“ spreche. Tatsächlich sei es nur ein Aufwärmen;
  2. Das Dinkelvollkornbrot enthalte zu wenig Dinkelerzeugnisse (34% statt 90%);
  3. Das Roggenmischbrot enthalte zu wenig Roggenmehl (42% statt 50%-90%).

Der wahre Hintergrund mag vielleicht weniger die Sorge um die Konsumentenschaft sein, sondern vielmehr der Preiskampf. Aldi Süd verkauft seit kurzen in den Backecken ihrer Läden das Brötchen nämlich für lediglich 15 Cent. Das mag manche einem Mitglied des Bäckerverbands nicht geschmeckt haben. Die Brötchen, die Aldi Süd verkauft kommen – so Spiegel Online – übrigens von der Großbäckerei Lieken (Düsseldorf).

Hintergrund: Das“Deutsche Lebensmittelbuch“

Zwar sind die Mengen für Roggenmehl und Dinkelerzeugnisse nicht gesetzlich vorgeschrieben, der Bäckerverband verweist jedoch auf das sog. „Deutsche Lebensmittelbuch“, welches auf Grund der §§ 15 und 16 des Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuches (LFGB)  von einer (geheim tagenden) Kommission erstellt wird. In der Praxis ziehen Gericht die hier festgelegten Werte jedoch oft zur Entscheiungsfindung heran.

Die Lebensmittelbuch-Kommission, die das Werk erstellt hat 32 ehrenamtliche Mitglieder. Die Mitglieder werden für fünf Jahre berufen. Vertreten sind Mitarbeiter von Lebensmittelüberwachungsbehörden und Universitäten, Verbraucherzentralen, Wirtschaftsverbänden, Einzelunternehmen aus der Lebensmittelindustrie und der Stiftung Warentest. Die Kommission tagt nichtöffentlich, ihre Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Foodwatch hatte 2007 Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland eingereicht, um eine Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle der Lebensmittelbuchkommission zu erreichen. Diese Klage wurde Anfang 2010 vom Verwaltungsgericht Köln abgewiesen. Foodwatch kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen.

Unterschiede zu LIDL

Das Konzept von Aldi Süd unterscheidet sich übrigens von dem LIDL-Konzept. Der Konkurrent aus Neckarsulm, der auch seit kurzem eigene Brötchen(und Brote) zum Sofortverzehr bietet, erhält seine Brot-Rohlinge (nach unseren Informationen kommen sie von  Kamps)  und fertigt sie – anders als Aldi Süd nicht „auf Knopfdruck“ sondern auf Vorrat. Die Mitarbeiter bei LIDL bestücken und leeren die Öfen mehrmals täglich.

Wir meinen …

… es ist bitter-traurig, dass in Deutschland der Konsumentenschutz einem Verband überlassen wird, der durch massive Lobbyarbeit – z.B. gegen das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) und die Nahrungsmittel-Ampel – dem Verbraucherschutz bisher wenige Gefallen getan hat. Als Freund des Konsumenten ist der Bäckerverband jedenfalls bisher nicht aufgefallen. Die Verbraucherzentralen der Länder scheint das Thema bisher nicht interessiert zu haben, wieso eigentlich?

Dieser Artikel wurde verfasst vom Bündnis gegen Lebensmittelplagiate e.V.

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